Von: Rainer Höflacher[hoeflacher@offene-herberge.de]
Gesendet: Mittwoch, 21. Juni 2006 01:07
An: BPE V. (vorstand@bpe-online.de); 'matthias.seibt@psychiatrie-erfahrene-nrw.de'; Helene Beitler (HeleneB@gmx.de); Karl Heinz Eßer (karlheinz.esser@uni-ulm.de); Klaus Laupichler (k.laupichler@t-online.de); Ursula Zingler (ursula.zingler@arcor.de)
Cc: Kalle Pehe (kallepehe@arcor.de)
 
Liebe VorstandskollegInnen, liebe BPE-Vorstandmitglieder, lieber Matthias
 
ohne mich mit meinen LVPEBW-VorstandskollegInnen abgesprochen zu haben, ist es mir ein Anliegen in der mir wenigen zur Verfügung stehenden Zeit eine Stellungnahme zum Offenen Brief des LVPEBW abzugeben.
 
Tatsache ist, dass ich trotz geäußerter Bedenken der Veröffentlichung des Briefes zugestimmt habe. Ich konnte, widerum aus Zeitmangel, die meisten eMail zu diesem Thema nicht lesen, so dass es sein kann, dass ich nichteinmal auf dem neusten Stand der Dinge bin; aber da ich namentlich Mitunterzeichner des Briefes bin, möchte folgendes zum heutigen Zeitpunkt anmerken:
 
Es gibt nun mal, seit ich den BPE kenne, den Konflikt zwischen den BPE-Mitglieder, die mehr oder weniger zum Kampf gegen die ungerechte und menschenverachtende Komponente der Psychiatrie aufrufen und solche, die den Dialog zum System suchen, um bei einer gemeinsamen Weiterentwicklung der Psychiatrie selbsthilfe-patientenorientiert mitzuwirken.
 
Schon bei der Veröffentlichung unseres Positionspapier (aktueller Stand siehe Anlage) brach dieser Konflikt auf und auch beim Offenen Brief sehe ich diesen als zentral. Für die für mich beleidigenden Bewertungen meiner Selbsthilfe-Arbeit in BW und Stuttgart durch den Matthias-Seibt-Vorstandsbrief erwarte ich persönlich heute noch eine Entschuldigung, den diese wurde im Brief generell in Frage gestellt.
 
Den Antrag zur MGV, der sich hinter unserem Offenen Brief verbirgt, halte ich für wichtig, da hier die Frage nach einer Grundausrichtung der Politik des BPE angesprochen wird. Kann es möglich sein bei solch heterogenem Meinungsfeld eine Grundpostion zu finden, oder ist der BPE in seiner Haltung gegenüber dem Psychiatriesystem vielfältig? Meine Wahrnehmung ist es, dass die Kampfhaltung gegenüber dem Psychiatriesystem dominiert. Diese Haltung vertritt aber nach meinen Erfahrungen nicht die Interessen der Mehrzahl der PE, sondern nur derer, die am Lautesten auftreten, die am meisten verletzt wurden und dies darüber hinaus auf eine bestimmte Art verarbeitet haben.
 
Nun muß ich gestehen, dass ich kein intimer Kenner des BPE bin und andere Vorstände des LVPEBW näher am Geschehen auf Bundesebene sind, aus deren Informationen ich natürlich auch mit meine Meinung bilde.
 
Wie oben gesagt, hatte ich von Anfang an kein gutes Gefühl für den Brief und auch argumentative Bedenken, habe ihm aber zugestimmt. Nun möchte ich mich bei dir, Matthias Seibt (ich denke auch ohne Nennung deines Namens, muss mensch auf dich schließen) entschuldigen, dass ich dir öffentlich und schriftlich unterstellt habe oder unterstellen wollte (falls der Brief so nicht erscheint), das du zu Beleidigungen anderer neigst. Das war ein Fehler und kein guter Stil, selbst wenn es die Wahrheit wäre. Wenn es mir möglich wäre, würde ich diesen Satz aus dem Brief streichen. Diese Erkenntnis beruht nicht auf Angst vor deinen rechtlichen Drohungen, sondern aus Einsicht. Die politische Auseinandersetzung wird wohl weitergehen: dein Kampf gegen die uns quälenden Auswüchse der Psychiatrie und mein Wunsch gemeinsam (mit den Profis) für die PE Verbesserungen zu erreichen. Hierbei sind mir vor allem der Stil, die Sprache und die verwendeten Mittel wichtig, was du auch an meiner obigen Entschuldigung siehst. Wenn die menschlich sind, widersprechen sich unsere Ansätze nämlich überhaupt nicht.
 
Mit freundlichen PE-Grüßen
Rainer Höflacher