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BPE e.V. Wittener Str. 87, 44789 Bochum

 

 

 

 

Liebe Vorstandsmitglieder des Landesverbands Psychiatrie-Erfahrener

Baden-Württemberg!

 

 

An Eurem Papier war uns Folgendes bemerkenswert:

 

1) Ihr verliert kein Wort dazu, dass Psychiatrie mit Zwang und Gewalt arbeitet und

dass dort Menschen zu Schaden kommen.

2) Der BPE hat sich seit seiner Gründung als pluralistischer Verband verstanden, in dem stärker reformorientierte neben stärker psychiatrie-kritischen Positionen ihren Platz haben. Dazu lesen wir bei Euch nichts.

3) Der gesundheitspolitische Aspekt ist absolut beherrschend.

4) Die Art des Umgangs im BPE wird in diffamierender Weise verzerrt dargestellt.

5) In seinem Anschreiben begründet Rainer Höflacher Euer „Positionspapier“

mit der Außendarstellung des BPE. Beispiele für die kritisierte Außendarstellung

werden an keiner Stelle genannt.

 

 

Im Einzelnen:

 

a) Das „Grundgesetz eines Vereins“ befindet sich im §2 der Satzung „Zweck und Ziele“. In unserem §2 wird den Menschen- und Bürgerrechtsverletzungen, die psychiatrisches Handeln regelmäßig mit sich bringt, große Aufmerksamkeit gewidmet.

 

Absatz 1a, Absatz 2 die Spiegelstriche 4, 8, 9, 10, 11, 13 und 14 sprechen an, was wir organisierten PE dagegen tun wollen. Die Spiegelstriche 1 und 5 sprechen diesen Menschen- und Bürgerrechtsaspekt teilweise an, weisen auch andere Inhalte auf.

 

Gesundheitspolitik ist Thema von Absatz 1c, sowie teilweise noch Absatz 2 Spiegelstrich 3. Letzterer deckt nach unserer Lesart ebenfalls die Beteiligung an Gesetzesänderungen wie Betreuungsrecht und PsychKG ab.

 

Soweit die Gewichtung, die Satzungskommission und Gründungsversammlung wollten. Der BPE-Vorstand fühlt sich allen in der Satzung niedergelegten Zielen verpflichtet und erwartet dies auch von seinen Mitgliedern. Es kann nicht angehen, dass die satzungsmäßigen Ziele des BPE durch ein Positionspapier auf einen Bruchteil zusammengestrichen werden.

 

b) Wichtigstes Ereignis der letzten 2 Jahre war unser gemeinsamer Kampf, die Festschreibung weiterer Menschenrechtsverletzungen im Betreuungsrecht und im PsychKG Bremen zu verhindern. Er war erfolgreich.

 

c) Euer Papier lesen wir leider als Abgrenzung gegenüber §2 der BPE-Satzung als auch gegenüber unserem erfolgreichen 2-jährigem Kampf.

 

d) Dies wird erhärtet durch den von Euch verwendeten einseitig medizinischen Selbsthilfebegriff. Selbsthilfe im PE-Bereich muss immer politische Aspekte haben. Mindestens mikropolitische, das heißt z.B. meine Familie oder meine Arbeit macht mich krank.

Statt dessen lesen wir unter Selbsthilfe Formulierungen wie „an dem gleichen oder ähnlichen Krankheitsbild leiden“. Statt Krankheitsbild „seelische und soziale Probleme“ wäre im Geist der BPE-Satzung.

Oder „möglichst selbst bestimmtes Leben“. Diese Formulierung ist von psychiatrischer Ideologie (nach Marx die fremde Weltanschauung im eigenen Kopf) verseucht.

Was bitte schön, schränkt denn unsere Selbstbestimmung ein, wenn nicht psychiatrische Gewalt? Ihr meint doch hoffentlich nicht, dass „psychisch Kranke“ unter gewissen Umständen (d.i. ihre psychische Krankheit) keine Selbstbestimmung mehr haben?

So geht dann daran anschließend die Argumentation der Psychiatrie:

Ja, die sagen etwas, aber das ist unbeachtlich, denn sie haben keinen freien Willen.

 

Warum ist das Thema „Zwang und Gewalt in der Psychiatrie“ derzeit auch auf professioneller Seite ein Thema? Doch nicht weil wir dazu geschwiegen haben,

sondern weil wir es thematisiert haben.

 

e) Wer hat wann eine Wertehierarchie aufgemacht zwischen Konsument/inn/en und Nicht- Konsument/inn/en von Psychopharmaka? Bitte nennt Beispiele.

Wir betonen nochmals: Der BPE ist ein pluralistischer Verband, in dem alle Strömungen derzeitiger und ehemaliger PsychiatriepatientInnen ihren Platz haben. Dies heißt auch, dass weder Vertreter der Antipsychiatrie noch Menschen, die meinen ohne Medikamenten nicht leben zu können ausgegrenzt werden dürfen.

 

f) Wir würden dieses Papier gern als Ausrutscher sehen. Dagegen spricht der interne Umgang, den der baden-württenbergische PE-Vorstand mit Kritiker/inne/n und schwierigen Menschen pflegt.

 

Euer Mitglied Jürgen Temme hatte mit einer BPE-Frau einen privaten Mailwechsel. Da sich diese den im Mailwechsel aufgeworfenen Problemen nicht gewachsen sah, leitete sie den Mailwechsel an Ruth Fricke vom Geschäftsführenden weiter. Diese war der Ansicht, dass der B-W Vorstand Jürgen besser kennt und leitete Jürgens privaten Mailwechsel

an Euch weiter.

So weit alles in Ordnung und selbsthilfeüblich.

 

Die Frage, ob man überhaupt weiterleiten darf, wäre im Prinzip besser gewesen. Doch sowohl die BPE-Frau als auch Ruth hofften, so schnelle Hilfe für Jürgen Temme auf

den Weg zu bringen.

 

Weit gefehlt.

 

Nicht Jürgen, sondern der Staatsanwalt wurde von einem von Euch angesprochen und auf Jürgen angesetzt. Als dieser das mitbekam und von Euch Auskunft begehrte, habt Ihr bis zum 31.10., als wir Euch darauf stießen, geschwiegen.

 

Nicht die Psychiatrie-Erfahrenen sind also Eure bevorzugten Gesprächspartner, sondern Richter, Ärzte usw.

 

Auch am 31.10. kam nur ..... . Jürgens Mails waren privat, konnten also den Gang der Bremer Ereignisse nicht beeinflussen! Ihr kanntet Jürgen über einige Jahre. War er je gewalttätig?

 

 

Fazit:

Wir sind entsetzt, was Ihr Euch unter Selbsthilfe Psychiatrie-Erfahrener vorstellt. Bitte prüft eingehend, ob Ihr Euer Positionspapier so überarbeitet, dass es sämtliche satzungsmäßigen Ziele des BPE berücksichtigt.

Soweit Ihr dem BPE Mängel in der Außendarstellung vorwerft, bitten wir um Belege. Bitte macht Euch dann aber die Mühe sämtliche Stellungnahmen der letzten zwei Jahre durchzugehen, um mit Zitaten belegt Verstöße gegen die satzungsmäßigen Ziele des BPE nachzuweisen.

 

Wir bitten Euch zu Bedenken, dass sowohl unsere als auch Eure Arbeitskapazitäten begrenzt sind. Die Zeit, die wir mit internen Auseinandersetzungen verbringen, fehlt uns bei der Interessenvertretung nach außen und beim Aufbau von Selbsthilfestrukturen.

Wir haben nichts gegen berechtigte Kritik. Wo gearbeitet wird, werden auch Fehler gemacht. Konstruktive Kritik zeichnet sich jedoch dadurch aus, dass Fehler und bessere Alternativen konkret benannt werden.

In diesem Sinne wünschen wir uns einen kritischen Dialog mit Euch.

 

 

Es grüßt Euch freundlich

Der geschäftsführende Vorstand des BPE

 

Bochum, den 9. November 2005                          Im Auftrag                                        

 

 

(Matthias Seibt)