Stellungnahme zum Projekt EX-IN BW Weiterbildung von Psychiatrie-Erfahrenen
Sozialplanerische Stellungnahme zu Ihrem Antrag bei der Aktion Mensch
Sehr geehrter Herr Höflacher,
mit Mail vom 16.10.08 bzw. 18.10.08 baten Sie um Stellungnahme zum o. g. Projekt.
In Ihrem Vorhaben sollen Weiterbildungskurse nach dem Modell EX-IN („Experience-Involvement“) angeboten werden, die im Rahmen des europäischen Leonardo-da-Vinci-Programms erarbeitet werden. In diesem Vorhaben sollen Psychiatrie-Erfahrene ihre persönlichen Krankheits- und Gesundungserfahrungen reflektieren und allgemein verständlich weitergeben lernen.
Ziel des Kurses ist es, die teilnehmenden Psychiatrie-Erfahrenen (15 Personen je Kurs, 30 Personen in 3 Jahren) dahingehend zu qualifizieren, als Gesundheitshelfer oder -helferinnen („Genesungsbegleiter/-innen“) aus eigener Erfahrung andere Psychiatrie-Erfahrene zu unterstützen oder als Gastreferenten oder -referentinnen („Dozenten/ Dozentinnen“) psychiatrische Fachkräfte in der Aus- und Fortbildung mit der Sicht der Patienten vertraut zu machen. Die Absolventen dieser Kurse sollen damit die Chance auf einen Arbeitsplatz bekommen.
Das vorgelegte Konzept der Psychiatrie-Erfahrenen zum Weiterbildungsprojekt EX-IN wird sozialplanerisch grundsätzlich positiv bewertet.
Traditionell besteht ein guter und konstruktiver Austausch mit Psychiatrie-Erfahrenen im Gemeindepsychiatrischen Verbund Stuttgarts.
Im Einzelnen nehmen wir zum vorgelegten Konzept wie folgt Stellung:
· Die vorliegende Konzeption kann dazu beitragen, Selbsthilfe und Empowerment zu stärken.
· Insbesondere in dem beabsichtigten Tätigkeitsfeld der Weiterbildungsteilnehmer als Gastdozenten und Multiplikatoren können Erfahrungen und Know-how von Psychiatrie-Erfahrenen wertvolle Impulse für die Arbeit liefern.
· Hinsichtlich möglicher Tätigkeitsfelder von Psychiatrie-Erfahrenen sollte aus Sicht der Landeshauptstadt generell überlegt werden, stärker im Bereich der Ehrenamtsbörse der Stadt aktiv zu werden.
· Das vorgelegte Konzept scheint folgerichtig im Rahmen von Recovery und Qualifizierung/Weiterbildung den Selbsthilfebereich weiterzuentwickeln.
· Im Hinblick auf das spätere mögliche Tätigkeitsfeld der Absolventen empfehlen wir, verstärkt Trainer und Trainerinnen mit Fachkompetenz in den entsprechend erforderlichen pädagogischen/psychologischen und medizinischen Disziplinen eingesetzt werden.
· Zu Bedenken ist außerdem, dass Psychiatrie-Erfahrene mit einer chronifizierten, psychischen Erkrankung nicht selten eine geringe Belastbarkeit aufweisen, sodass Überforderungssituationen entstehen können.
· Die Landeshauptstadt Stuttgart begrüßt die Qualifizierung der Selbsthilfe und des Ehrenamts. Die Schaffung eines neuen Berufsbildes ist nicht gewünscht. Wir gehen davon aus, dass das o. g. Projekt professionelle sozialpsychiatrische Behandlung und Betreuung nicht ersetzen kann.
· Insgesamt sehen wir das vorliegende Konzept zu EX-IN als eine Qualifizierungsmaßnahme von Selbsthilfe und Empowerment.
Haushaltsmittel zur Förderung des o. g. Projektes stehen in der Landeshauptstadt nicht zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Rosel Tietze
Gesundheits- und Sozialplanung