Ich habe lange Zeit nach der blauen Blume in der Selbstheilung der Dissoziativen Identitätsstörung gesucht.

Ich habe sie in mir selbst gefunden. 

Vergissmeinnicht 

Mein Leben wurde mit dem Beginn meiner Geburt von traumatischen Erlebnissen begleitet. Seelische und körperliche Grausamkeit gehörten zu meinem Alltag. Die Grundbedürfnisse, welche ein Mensch in Kinderjahren zur gesunden Entwicklung benötigt, erhielt ich nicht. Im Gegenteil. 

Trotz all dieser Widrigkeiten, machte ich meinen Realschulabschluss den Führerschein, eine Ausbildung zur Justizangestellten, eine weitere Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten. Bis zu meiner Elternzeit arbeitete ich als Sekretärin beim Bürgermeister. Ich habe ohne fachliche Hilfe, aus meiner Selbsterfahrung heraus, mit immer wiederkehrenden Depressionen umzugehen gelernt und mir ein sicheres soziales Umfeld aufgebaut. Meine Freunde und meine Kinder waren mir das Wichtigste in meiner größten Not. 

Im März 2008 erlitt ich meine schlimmste Depression. Ich kam ohne fachliche Hilfe aus dem dunklen Nichts nicht mehr heraus. Ich ließ mich in die Psychiatrie in Tübingen einweisen. Meine gewaltvolle Vergangenheit, immer wieder-kehrende Schicksalsschläge und der darauf folgenden grausamen Ehe gaben mir den Rest. Ich erlitt einen Identitätsverlust.  

Und dies war meine Chance und der erste Schritt in ein besseres Leben! Ich verließ meinen Mann mit unseren beiden kleinen Kindern. Suchte nochmals Hilfe in der Tagesklinik Böblingen und auch dort ging man liebevoll mit mir um, so dass ich einen weiteren riesigen Schritt voran kam. 

Nun, ein knappes Jahr später, lebe ich meine Fähigkeiten in der Musik, Malerei, Tanz und meinem sozialen Engagement aus; immer im Hinblick auf meine seelische Gesundheit. 

Bei meinen Psychiatrie-aufenthalten hinterfragte ich wiederholt das derzeitige System. Was würde mir jetzt besser tun? Was hinderte mich? Was würde ich mir wünschen? Was würde ich besser machen? Ich erfuhr, wie wichtig mir die Gespräche mit anderen Patienten waren. Ebenso erlebte ich, wie hilfreich meine Zuwendung meinen Mitpatienten gewesen ist. Mein größter Wunsch in meiner akuten Krise war: Wenn mir hier doch bloß ein Mensch in die Augen sehen würde und sagte: „Ich weiß wie sich das anfühlt.“ 

EX-IN verwirklicht dass, was ich für unbedingt erforderlich halte, um psychisch Erkrankten die Hoffnung und notwendige Unterstützung auf Heilung zu vermitteln. Menschen, die Seelenqualen selbst erfahren haben und für sich einen Weg gefunden haben, vermitteln in Person Hoffnung und Kompetenz. Ich wünsche mir, meine Liebe, Güte und mein Mitgefühl für Menschen auf den Weg über EX-IN weitergeben zu dürfen. 

In tiefer Verbundenheit

Jennefer Müller, März 2009