Mein Name ist Rainer Höflacher. Ich bin 1961 geboren und seit 1981 psychoseerfahren. Meine psychische Erkrankung hat mein Leben stark geprägt und negativ, aber durchaus auch positiv, beeinflusst. Mit vielen Mühen, Höhen und noch mehr Tiefen, konnte ich 1988 ein Studium zum staatlich geprüften Informatiker abschließen. Schon 1993 war meine berufliche Laufbahn zu Ende. Nach etwa 2 Jahren der beruflichen Rehabilitation in einer Werkstatt für behinderte Menschen, musste ich 1996 in die Frührente gehen. Meine bisher schwerste Zeit war zwischen 1993 und 1997, in der ich unter einer langen, schweren Depression litt. Mein Leben schien zu Ende. Ich litt fürchterlich. Mit eine entscheidende Wendung bekam mein Leben, als ich 1999 mit der Psychiatrie-Selbsthilfe in Kontakt kam. Nach und nach übernahm ich immer mehr Aufgaben und Ämter und mir ging es immer besser und besser. Regelmäßig wiederkehrende akute Psychosen ignorierte ich. Erst Anfang 2006 musste ich merken, dass ich über meine Grenzen gegangen war und fiel bis Ende 2007 wieder in eine mittelschwere Depression zurück. Nun sind es Aufgaben für mich, meine Grenzen anzuerkennen, neben meinem Selbsthilfeengagement mir andere Standbeine zu schaffen, offen für Neues zu bleiben und vor allem zu lernen, meinen Alltag besser zu meistern.

Derzeit bin ich aktiv in der Offenen Herberge e.V., im Landesverband Psychiatrie-Erfahrener BW und bei der Initiative Psychiatrie-Erfahrener (Stuttgart). Hier möchte ich mich mit meiner psychiatriepolitischen Haltung eher als "gemäßigt" bezeichnen, d.h. obwohl in der Psychiatrie immer noch und immer wieder Unrecht geschieht, bin ich der Meinung, dass die Mehrzahl der Psychiatrie-Fachkräfte ehrlich um das Wohl der Psychiatrie-Erfahrenen bemüht sind und die aktuelle Psychiatrie durchaus auch als hilfreich empfunden werden kann. Somit ist es mir ein Anliegen mit den Fachkräften zu kooperieren und, wo es geht, gemeinsam unsere Anliegen nach Außen zu vertreten. Das Problem sich dabei instrumentalisieren zu lassen und die kritische Distanz zu verlieren, will ich nicht leugnen; es gilt hier immer wieder zu reflektieren und den eigenen Standort neu zu definieren. Auch darf der Mut nicht fehlen in den Konflikt zu gehen - hier habe ich zugegebener Maßen ab und zu meine Schwächen, an denen ich weiter arbeiten will. Mit den Angehörigen psychisch Erkrankter pflege ich gute Kontakte, merke aber doch immer wieder, dass es hier perspektivenbedingte unterschiedliche Haltungen gibt. Das hindert mich jedoch nicht daran in vielen Bereichen gut mit den Angehörigen zusammenzuarbeiten.

Nachdem ich 2006 schon in Magdeburg Kontakt zu EX-IN bekommen hatte, war der EX-IN-Artikel in der Zeitschrift "Bild der Wissenschaft" vom Dezember 2007 für mich das Signal, mich erneut mit EX-IN zu beschäftigen. Am 7.12.2007 hatte mich dieses Feuer so ergriffen, dass ich Anstrengungen begann EX-IN BW ins Leben zu rufen.

Schon in der Offenen Herberge e.V. gibt es die Grundannahme, dass Erfahrungen im Umgang mit seelischen Krisen, eine wertvolle Kompetenz sind. Sei es in der Ausbildung von Psychiatrie-Fachkräften oder in der konkreten Begleitung anderer Psychiatrie-Erfahrenen. Diese Parallelen zu EX-IN faszinierten mich.

Schon lange wollte ich im Bereich der Psychiatrie fundiert dazulernen. Den Gedanken noch "im hohen Alter" Sozialpädagogik zu studieren, lies ich wieder fallen, da dies wohl jenseits meiner derzeitigen Grenzen liegt. Da kommt EX-IN als spezialisierte, auf Psychiatrie-Erfahrene zugeschnittene Ausbildung, gerade recht.

Zwei Motivationen begründen meine Arbeit für EX-IN BW. Erstens ist es für mich ein reizvoller Gedanke, selbst an der EX-IN-Ausbildung teilzunehmen; auch unabhängig davon, ob ich danach eine bezahlte Anstellung bekomme. Aber vor allem - und das ist die zweite Motivation - will ich möglichst vielen Psychiatrie-Erfahrenen in Baden-Württemberg, ebenfalls die Chance geben, mit EX-IN BW ihre Situation zu verbessern.

Von kleinen Schwankungen abgesehen, bin ich für EX-IN BW hoch motiviert und es macht mir viel Spaß, ein neues, sinnvolles Projekt gemeinsam mit anderen Menschen ins Leben zu rufen. Hier kann ich auch meine bisherigen Erfahrungen bestens nutzen.

Mit großer Hoffnung und neuem Schwung.
Rainer Höflacher am 10.1.2008